Frohe neue Realitätsflucht!

"Sei mal ein bisschen realistischer!", "Hör’ auf zu träumen!" und "Die Realität sieht aber anders aus." tönt es von nahezu überall. Wir alle sind fest verhaftet in dem Glauben zu wissen was echt, was machbar ist, und was nicht. Dabei vergessen wir, dass wir alle kontinuierlich auf der Flucht vor dem realen sind, während wir uns doch mit beiden Beinen in einer Welt befinden, die sich (völlig unbedacht) immer häufiger als "alternativlos" präsentiert.

Etwa ein Drittel unserer gesamten Existenz verbringen wir im Traum, der manifesten Irrealität - manche mehr, manche weniger. Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich die Frage, was es mit dem Konzept “Realität” oder “Wahrhaftigkeit” überhaupt auf sich hat.

Der Fakt, dass Realität immer nur für einen Bruchteil einer Sekunde besteht fällt regelmäßig unter den Tisch. Weder der Vergangenheit, noch der Zukunft ist mit Wahrhaftigkeit beizukommen. Die Rezeption des vergangenem ist unseren hiermit verbundenen subjektiven Erfahrungen und gezogenen Querverweisen zu anderen Ereignissen unterworfen und kann sich von Zeit zu Zeit ändern. So kann eine Fehlentscheidung aus heutiger Sicht sich morgen schon als Glücksgriff entpuppen und umgekehrt.

Die Zukunft ist bestimmt von unseren Wünschen und Hoffnungen. Manche von ihnen wahrscheinlicher als andere, doch keine von ihnen vorherbestimmt oder gar “realistisch”.

Ein neues Jahr feiern wir, weil wir Hoffnungen haben uns einer besseren Welt (persönlich oder idealistisch motiviert spielt dabei keine Rolle) entgegen zu bewegen, auf das vergangene blicken wir teils wehmütig nostalgisch, teils mit der Befriedigung zurück, es zumindest einigermaßen heile überstanden zu haben. Mit Bildern wird versucht den Augenblicken, die uns wie Sand durch die Finger rieseln, eine manifeste Form zu verleihen, sie als Erinnerungen an Wende- oder Höhepunkte auf einen sprichwörtlichen Altar zu stellen und ihrer zu gedenken.

Mein Verhältnis zu Fotografien ist ein recht gespaltenes: Sie erinnern mich an den gnadenlos anhaltenden Verfall, gerade durch ihre trügerische Beständigkeit. Ein Foto anzusehen heißt entweder dem Elend vergangener Tage in die Augen zu blicken oder sich in nostalgischer Manier zurückzuwünschen in die vom Sepia vergoldeten Zeiten, in denen man sich ganz ähnlich in unschuldigere Tage zurück wünschte; um es auf die Spitze zu treiben: zurück in den Mutterleib, zurück zur nicht-Existenz.

Sowohl diese rückgewandte Bewegung, als auch unsere Wünsche, Träume und Hoffnungen stellen eine Form der Realitätsflucht dar. Ganz ohne Drogen und doch zum Teil berauschend. Das nächste Mal, wenn man sich also wieder auf die Realität beziehen will, sollte man also die dem Konzept immanente Subjektivität im Hinterkopf behalten und unser Streben nach Transzendenz, das uns erst zu Menschen macht.

In diesem Sinne: Ein frohes neues Jahr!


celebrating ugliness.

celebrating ugliness.


Wer Winter Will Soll Winter Bekommen

Verschnei mir die Sicht!
Geh’ du voraus
Und kümmer dich
Nicht
Um mich.
Wer rastet, der rostet
Doch ich roste gern.
Mir fehlt jegliches Feingefühl,
Dir fehlt der Rest.
Gemeinsam frieren mit einem steifen Lächeln auf der kalten Zunge.
Lippen gespitzt, Augen geblitzt,
Wangen gepudert.
Macht keinen Sinn. Mir egal.
Auge in Auge blecken wir die Zähne
Und verharren ungesehen.


…you don’t have to go home but you can’t stay here.

Wieder einmal neigt sich ein Jahr dem Ende zu und beim Betrachten der Ergebnisse, die es mit sich brachte, fällt auf, dass es nicht sonderlich ereignisreich war. Stilisierter Stillstand als Alltag, sonst ist da nichts gewesen. Eigentlich traurig zu wissen, dass man das Jahr 2013 einfach so überspringen könnte, ohne wirklich etwas verpasst zu haben. Der zweite Jahrhundertsturm, die x-te Jahrhundertflut und sonstiger pseudo-apokalyptischer Schwachsinn zeigen bereits, wie objektiv langweilig diese vier Jahreszeiten waren. Warum, wenn nicht aufgrund ätzender Langeweile, würde man sonst eine solch voreilige Terminologie bevorzugen? Meine Füße stecken im knöcheltiefen Schlamm der sensationsgeilen Berichterstattung und von allen Seiten wird eine Konformität gefordert, mit der ich nicht einmal dann dienen könnte, wenn ich sie voll und ganz verstünde. Vielleicht liegt es auch an meiner mangelnden Bereitschaft darüber nachzudenken, aber das steht auf einer völlig anderen Karte…

Lasst uns weiter die Andächtigen spielen, wie wir es seit je her gewohnt sind.

In diesem Sinne ein letztes Bier bevor die (metaphorische) Bar schließt.


Weisheiten vom Straßenrand der Gesellschaft

Lethargie an einem verregneten Mittwoch Morgen, den man zunächst versehentlich für einen Dienstag hielt: Wenn jeder Mensch ein Rohdiamant ist, warum dann nicht einfach mal alles schleifen lassen?


Ich befinde mich am Ende der Welt. Nicht weit genug entfernt, um der Zivilisation gänzlich zu entgehen, doch weit genug um mal durchzuatmen und klare Gedanken zu fassen. Vielleicht entsteht ja doch noch etwas produktives. Stay tuned!

Ich befinde mich am Ende der Welt. Nicht weit genug entfernt, um der Zivilisation gänzlich zu entgehen, doch weit genug um mal durchzuatmen und klare Gedanken zu fassen. Vielleicht entsteht ja doch noch etwas produktives. Stay tuned!


Zivilisationskritik Teil 1

In dem, was wir heute „Zivilisation“ nennen muss alles klassifizierbar sein. Aus eben diesem Grund hier der Versuch die verschiedenen Typen, die dieser zu entspringen scheinen zu erfassen (keineswegs vollständig, nicht mal annähernd):

Der moderne Eremit ist immer und überall darauf gefasst inspiriert zu werden. Ja, seine einzige Maxime scheint die der Zwangs-Inspiration zu sein. Es ist ihm nicht möglich etwas ohne diesen Hintergedanken zu betrachten, zu tun und/oder wertzuschätzen. Alles muss sich lückenlos in die Verwertungskette des totalitären Egos einfügen lassen.

Der Posthumanist ist niemals zufrieden mit den Leistungen seiner Mitmenschen. Alles menschliche lehnt er kategorisch ab, feiert die Vorzüge der Maschine und träumt von einem Dasein als unfehlbarer Cyborg. Alternativ von einem Dasein als Gottheit.

Der notorische Nörgler ist ein besonders penetranter Typus, der den Versuch anstellt seine Mitmenschen durch seine Kritik zu diffamieren und in bestimmte Klassen einzuteilen. (Gewisse Ähnlichkeiten mit der posthumanistischen Eigenart können an dieser Stelle nicht geleugnet werden.) Was ihn zu einem der gefährlichsten Typen der Gegenwart macht, ist seine fatalistische Auffassung der Gegenwart und von Zeit im allgemeinen: glaubt man ihm, so läuft die irdische Existenz in letzter Instanz immer auf Schmerz und Verderben hinaus.

Der permanent Mit-sich-zufriedene ist ein weiterer höchst ambivalenter Charakter: man trifft ihn meistens gut gelaunt (im Gegensatz zu den vorher genannten Typen ist seine Laune allerdings authentisch) und immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Häufig steckt in ihm ein harter Narzisst, dessen kleine heile Welt frei von moralischen Widersprüchen ist und der jeden, der im Begriff ist ihm diese Illusion zu nehmen - ironischer Weise - aufs schärfste verurteilt. In jedem Fall ist er ein naiver aber dennoch harmloser Zeitgenosse.

Wer jetzt glaubt, das sei alles gewesen, der irrt. Aber mehr wird es hier und jetzt nicht zu lesen geben.

J.


…der Tragödie x-ter Teil. (oder: “Wer liest eigentlich diesen Bullshit?”)

Was soll ich sagen? Knapp 10 Wochen mentales Tiefdruckgebiet liegen zwischen dem letzten Zeugnis meiner Verkommenheit und dem heutigen Zenit dieser Phase.

Man lässt sich gehen und verweilt doch bloß (oder gerade deswegen) an Ort und Stelle mit den selben Fratzen und der selben Plörre im Magen, der Blutbahn und wahrscheinlich auch im Gehirn.
Man verliert den roten Faden, beginnt mit einer modrigen Leine vorlieb zu nehmen und betritt ausgetretene Pfade, auf denen sowieso und übehaupt kein Gras mehr wächst. Substitute soweit das Auge reicht; psychedelischer Wahnsinn, blitzhafte Eingaben, die ich krampfhaft zu notieren suche, solange sie zumindest noch sche(l)menhaft vor dem geistigen Auge im Takt zum nächsten Sommerhit umher schunkeln, bloß um kurz darauf ehrfürchtig dem alltäglichen Schwachsinn Platz zu machen. Schöne Scheiße! “Get Lucky” am Arsch, alter!
Aber beklagen will ich mich eigentlich nicht. Größtenteils aus Faulheit. Bringt doch eh nichts. Da warte ich lieber ein paar Jahre und räche mich irgendwann total unerwartet an meinem Über-Ich, indem ich ihm gepflegt vor die Tür kacke! Bis dahin lass ich die Therapie bestehend aus meiner täglichen Dosis an Videos von süßen Kätzchen (die einfach nur super awesome und total sweet daher kommen), Tütensuppe, Tiefkühlpizza und Masturbation über mich ergehen.

Bis irgendwann, ihr Nasen

J.


PENIS


Dontchamesswithtime!

Ich sitze, lungere, oder hänge viel mehr völlig uninspiriert alleine in meiner Wohnung, meinem selbst gewählten, zeitweise hochgradig langweiligen, Exil. Das Internet ist ein Fluch! Durch Facebook, Twitter und all die anderen eindimensionalen Plattformen kann ich mir selbst beim Altern, auf meiner Reise in Richtung des „unausweichlichen Endes“ zusehen. Kommt mir vor als wäre das alles gestern gewesen. Liz, der Roadtrip durch Osteuropa und das ganze drumherum. Man kann da nichts machen, denke ich, ja, will es sogar in die Welt hinaus schreien, lasse es aber und schreibe es stattdessen in mich selbst hinein. Tagtäglich wird der Drang stärker mein völlig verbrauchtes Gesicht im Spiegel zu betrachten und die Frage drängt sich auf, wann der Verfall begonnen haben könnte. Wie kommt es, dass ich heute mit monströsen Augenringen in den Tag starte und nicht mit einem sanften Lächeln, wie auf dem Photo vom 12.03.2011? Sind zwei Jahre eine so lange Zeit?
Wenn wir von Zeit reden vergessen wir gerne, dass sie kein Prozess ist, sondern Prozesse bedingt. Es gibt Tage, da würde ich am liebsten jedes Photo, das an schöne Tage erinnert auslöschen, es aus meinem Gedächtnis verbannen oder es gar seiner physischen Existenz berauben, einfach nur um ein Stück Freiheit zurückzuerlangen. Durch Erinnerung an das verallgemeinerte „Damals“ relativiert sich das explizite „Heute“. Natürlich klingt das alles unfassbar pathetisch und gewissermaßen auch nach einem „Luxusproblem“. Ist mir egal! Es wurmt mich schlicht und einfach, dass wir die „Möglichkeit“ besitzen, jeden noch so schönen Moment mit vergangenen zu vergleichen, die vollkommen unterschiedlichen Situationen gegeneinander aufzuwiegen gedenken und somit der reine Genuss, die Aura des Moments verloren geht.
Ich schließe meine Augen. Ein kurzer Tag war das heute. Habe schon lustigere Episoden erlebt.

Vielleicht versöhnen wir uns eines Tages wieder, ich und die Photos, doch bis dahin werde ich grübeln, zu viel trinken und den Verfall weiter protokollieren.